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AUGEN PUTZEN, SEHEN LERNEN
Bettina Köhler beschreibt, wie die Zeit in der Jugendkunstschule IMAGO ihr half, ihren Berufswunsch zu verwirklichen und was sie dabei persönlich geprägt hat.
Modedesign. Ich wusste es. Ich wollte Modedesign studieren. meine Mutter reagierte nicht begeistert, aber pragmatisch und meinte klipp und klar:"Na dann. Kurse, Mappe, Eignungsprüfung, Ablehnung und so weiter. Stell dich darauf ein, wenn du das wirklich willst." Ich wollte. Vielleicht hat sie damals gehofft, dass ich es mir mir irgendwann anders überlege. Zur Jugendkunstschule so wie andere zur Musikschule gehen und es dann irgendwann als Nachmittagsbeschäftigung abtun. Vielleicht wäre es so gekommen. Doch ich geriet an die IMAGO in Erfurt, an Anne-Katrein Maschke und an eine Gruppe von Gleichgesinnten. Junge Frauen, die wie ich heute fast alle mit dem Mode-, Grafik- oder Textildesign-Studium fertig sind.
Fünf Jahre habe ich mich im Aktzeichnen probiert, Mode- und Kostümkurse besucht, ein bisschen Schnitt, ein bisschen nähen gelernt. Aber vorallem habe ich viel ausprobiert, expreimentiert und gelernt, mutig zu sein und meiner Intuition zu vertrauen. Erst während meines Studiums an der Hochschule für Angewandte Kunst in Schneeberg wurde mir klar, wie privillegiert dieser Weg war: Ideen spinnen, spielen, abr auch Techniken lernen, hart arbeiten und ganz nebenbei sich selbst finden. Auf all das hat mich meine Zeit bei der IMAGO vorbereitet, aber auch darauf, dass es beharrlichkeit braucht, ein Studium in einem kreativen Bereich zu beginnen. Eine Eignungsprüfung reicht selten. Ich brauchte fünf Prüfungen an verschiedenen Hochschulen, bis ich meinem Studienplatz hatte.
Mir wurde schon lange vor dem Studium ein ziemlich genaues Bild vermittelt, mit welchen Dingen man im Designbereich zu tun haben wird. Ich habe Unterstützung beim Erarbeiten meiner Mappe bekommen, Trost, wenn es wieder mit der Eignungsprüfung nichts wrde, aber auch Ermutigung, um weiter zu machen. Der Maler Oskar Kokoschka hat gesagt:"Talent ist einfach nicht genug, worauf es ankommt, ist das Stehvermögen." Und grade im künstlerischen Bereich sind Ausdauer und Stehvermögen vielleicht wichtiger als alles andere. Natürlich hatte ich auch viele Kommilitonen, die keine Kurse, keine Jugendkunstschule besucht haben. Aber wir sind mit Anforderungen definitiv unterschiedlich umgegangen. Und ein bisschen neidisch waren die meisten von ihnen dann trotzdem. Denn bim Studium fehlte doch vieles von der spielerischen Leichtigkeit, die gerade bei freiwilligen Kursen so wichitg ist.
Vier Jahre Studium, Praktikumssemester, ein Auslandssemester an der Designskolen in Kolding (Dänemark), Jobs (im Kostümbereich beim Film) immer weider zwischendurch, Und schließlich ein Diplomabschluss. Es ist das, was ich wollte, das wofür ich gearbeitet habe und woran IMAGO keinen geringen Anteil hat.
Wieso sie zum Aktzeichnen gehen sollen, fragen die neuen IMAGO-Kursteilnehmerinnen. "Zum Augen putzen", sagte Anne-Katrein Maschke. "Augen putzen, sehen lernen." So drückte es auch ein Professor beim Studium aus. Das ist es. Sehen un begreifen und weider sehen und daraus lernen für Kunst, Design, Gestaltung. Jugendkunstschule fördern genau das, fordern das. Sein Talent zu nutzen, aber auch dafür zu arbeiten. Würde Sie an einem Sportwettbewerb teilnehmen, ohne vorher zu trainieren? Oder sich um ein Musikstudium bemühen, ohne ein Instrument spielen zu können? Eben. Ich war 14 Jahre alt, als ich zum ersten Mal an der Tür der IMAGO geklingelt habe, das ist jetzt 10 Jahre her. Und heute, mit 24 Jahren als fertige Diplom-Modedesignerin, klingele ich immer noch hin und wider und weiß, dass ich immer willkommen bin.
BETTINA KÖHLER(24-jährige Diplom-Designerin aus Erfurt) |